Mehr Schein als Sein – unsere oberflächliche Welt

Zum Glück sind wir etwas weggekommen vom ausgemergelten Model-Look von damals, als es hiess: Je dünner, desto schöner. In meinen Augen hat das nichts mehr mit schön zu tun und erst recht nicht mit gesund. Und sind wir mal ehrlich, was bringt uns Schönheit, wenn wir nicht gesund sind und somit die Lebensqualität enorm darunter leidet? Ausserdem liegt Schönheit sowieso im Auge des Betrachters. Und der einzige Betrachter, dessen Meinung zählt, bist DU selbst!

Sehe deine Stärken und sei stolz auf sie. Baue auf ihnen auf und entwickle sie weiter. Lerne aber auch deine (in deinen Augen) Schwächen zu akzeptieren, denn so formst du sie automatisch in Stärken um. Es gibt kein Adjektiv, das gut oder schlecht ist. Es ist das, was du daraus machst! Du kannst zum Beispiel ehrgeizig sein und das wirkt sich positiv auf deine Leistung aus. Wenn du aber nie zufrieden mit deiner Leistung bist, was bringt dir das? Ein negatives Gefühl entsteht aus einer unglaublich tollen Charaktereigenschaft. Du bremst dich selber! Du bezeichnest dich als faul? Sieh es positiv, du hast das Potential, dein Ziel auf effizienteste Weise erreichen. Während andere viel zu viel Zeit in unwichtige Details investieren, setzt du die richtigen Prioritäten. Oder der gegenteilige Fall: Du bist fleissig und gibst immer 1000%: Garantiert dir das in jedem Fall Erfolg? Wenn du frühzeitig vor dem Ziel ermüdest, brauchst du zuerst eine Pause, um dorthin zu gelangen, wo du hinwillst.

Was will ich damit sagen? Alles ist gut und schlecht. Positiv und negativ. Es liegt bei dir, wie du es wertest. Und mit dem Wort «werten» komme ich wieder zurück zum eigentlichen Thema: die oberflächliche Welt. Bereits im Kindesalter wird uns eingetrichtert, wie wir uns zu verhalten haben. In der Schule wird hervorgehoben, was falsch ist und was nicht dem Schema entspricht, wird nicht toleriert. Deine persönlichen Stärken interessiert allerdings niemand. Wir lernen, primär anderen zu gefallen, anstelle sich selbst im Fokus zu haben. Werbung und soziale Medien geben uns vor, was der neuste Trend ist. Was richtig oder falsch ist. Und so entsteht ein Ideal, dem wir nicht gerecht werden können. Denn du bist du und nicht diese Person auf dem Bild.

Momentan liegt der neue Trend im fit sein oder zumindest so aussehen. Dünne, ausgemergelte Frauen sind nicht mehr in, sondern fitte Frauen. Ich empfinde diese Veränderung als grundsätzlich gut, aber sie hat auch ihre Kehrseite, denn ein Foto kann täuschen: Das richtige Licht, die richtige Perspektive, der richtige Moment, das passende Outfit, eine anstrengende Pose, die die gewollte Körperpartie betont, vielleicht noch etwas Photoshop und fertig ist das perfekte Insta-Bild. Niemand zeigt sich gerne von seiner «schlechten» Seite, das ist klar. Aber was wir teilweise zu Gesicht bekommen, entspricht einfach nicht der Realität. Es ist mehr Schein als Sein und das lässt in unseren Köpfen ein Idealbild von unmöglicher Perfektion entstehen.

Glücklich sein geht allem anderen Voraus. Ich behaupte nicht, man soll nichts ändern, wenn man mit etwas nicht zufrieden ist. Aber seine Zufriedenheit und sein Glück, an etwas Oberflächliches wie das Aussehen zu koppeln ist meiner Meinung nach die falsche Herangehensweise, sein Ziel zu erreichen. Scheine nicht nur, sondern sei! Sei glücklich, sei liebevoll und wohlwollend mit dir selbst, akzeptiere deinen aktuellen Zustand, liebe dich bis ins Unermessliche und verfolge dein Ziel mit vollem Elan – so wirst du auch mit Erfolg belohnt. Der Weg zu deinem Ziel wird mit dieser Einstellung wesentlich schöner sein. Und darauf kommt es doch an. Wir leben in jeder einzelnen Sekunde. Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu geniessen und seine Energie, in falsche Bahnen zu lenken.

Nadja

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